Die Zweitagestour nach Halong Bay hat sich gelohnt, wie auch die Zweitagestour nach Sapa.
Halong Bay ist oestlich von der Hauptstadt Hanoi und ein Kuestenabschnitt mit vielen kleinen Inseln. Die Sage behauptet, dass vor Urzeiten ein Drache mit seinem Schwanz diese Bay geschaffen haette, als er von den Bergen ins Meer hinunterflog - oder so aehnlich. Jedenfalls erinnert die Landschaft und auch die vielen Holzschiffe sehr an eine Landschaft aus dem Strategiespiel "Age of Empire". Uebernachtet hatte meine Gruppe auf einer der Inseln mit Bungalows. Leider war der Strand sehr steinig dort, es war also nichts mit baden, und auch das Wetter spielte am zweiten Tag nicht wirklich mit, Nebel truebte die Sicht ziemlich stark.
Gestern und heute nun war ich in den Bergen. Sapa ist das Zentrum, viele Touristen treffen sich da. Man kann wunderbar hiken - und mein Guide brachte mich zu einer Tay Familie zur Uebernachtung. Das ganze nennt sich "Homestay" und ist unbedingt zu empfehlen! Etwa 3 Stunden Hike (mit Pausen etwa 6 - mein Guide brauchte eine Pause ...), super Food, natuerlich orignal vietnamesisch, Dusche im Handbetrieb (Kessel Wasser ueber den Kopf) und 10 kleine Glaeschen Reiswein brachte es mit sich, dass ich bereits kurz vor 9 Uhr in der Klappe war. Zu meiner Rechtfertigung muss ich wohl noch anfuegen, dass die Temperatur ziemlich Hike-unfreundlich war.
Heute morgen nach einem Bad im Pool, der von heissen Quellen gespiesen wird, einem Pancake Fruestueck, einer Stunde den Berg raufschwitzen, Noodlesoup und einem Wasserbueffel-Taxi (Toefftaxi) zurueck nach Sapa (16km) hat es mich gepackt. Selber fahren (mit Helm natuerlich, auch wenn man ein Exot ist)! Fuer 50000 Dong (3 Dollar) habe ich einen 50ccm gemietet - mit leerem Tank. Der Most kostete dann nochmal 30000 Dong.
Der Goeppel brachte mich auf 2000m zum Tramton Pass, auf einer Bergstrasse ala Schweizer Alpen, allerdings immer wieder mit Schlagloechern und Kies-Stellen. Von dort aus koennte man in ca. 5h auf den Fansipan laufen (3134m, ca. 12km Distanz), den hoechsten Berg Vietnams. Der Rekord sei angeblich 1h50min, die meisten machen es in zwei oder drei Tagen. Hin und zurueck sind es wohl 9h.
Jetzt bin ich frisch geduscht und warte auf den Bus, der mich zurueck nach Lao Cai bringt. Dort wartet der Nachtzug nach Hanoi.
Mittlerweile bin ich in Hanoi, der Hauptstadt gelandet, nach einer eher abenteuerlichen Reise. Nach dem letzten Blogeintrag im Internet Kafi in Nha Trang dachte ich, eines dieser Cyclos, das ist ein Fahrrad-Taxi auf drei Raedern, wo der Passagier vorne sitzt und der Taxifahrer trampen muss - das bringt mich fuer wenig Geld zum Bahnhof, wo ich dann den Nachtzug Richtung Norden nehmen kann.
Gedacht. Getan? Nicht wirklich. Mit dem Cyclo hat es noch halbwegs geklappt. Musste den "Taxifahrer" zwar erst von 30000 auf 15000 runterhandeln (statt ca. CHF 3 auf 1.50), wobei er mich auch so noch abgezockt hat. Das ist sowieso Volkssport hier, alle wollen die "reichen" Touristen melken. Immerhin ist das Cyclo CO2-neutral...
Doch am Bahnhof angekommen wurde mir beschieden, dass der Nachtzug ausgebucht sei. Grmbl. Es ist 18:00 und ich weiss, dass in einer halben Stunde der Nachtbus losfaehrt, allerdings keine Ahnung, wo das Busterminal ist. Nehme also ein Motorrad-Taxi, wobei auch hier wieder die Abzockmasche laeuft - ich muss erst davonlaufen, bevor der Preis von 40000 auf 20000 sinkt, fuer die Distanz von etwa 1.5 km ... und tatsaechlich, ich schaffe es, den Bus zu erwischen. Dieser hingegen ist spottbillig, etwa 120000 VND fuer 300km, inklusive ein richtiges Abendessen in einem guten Restaurant unterwegs - nur das Bier fuer den Passagier kostet extra.
Die Nacht war entsprechend kurz und holprig, und als ich um 5:30 in Danang auf halbem Weg nach Hanoi angekommen bin, ist mir die Lust nach mehr Busfahrten ziemlich vergangen. Doch der Airport Danang ist nicht allzuweit (wieder 20000 VND mit dem Motorrad-Taxi - ohne Helm, notabene) und ich schaffe es tatsaechlich, Standby auf den ersten Inlandflug zu kommen - und bin schliesslich um ca. 11:00 mit klapprigen Propellerflugzeug in der Hauptstadt Hanoi gelandet. Mit dem Airport Minibus Service (2 Dollar) in die City ... ein richtiges Taxi haette wohl das zehnfache verlangt.
Hanoi ist merklich kuehler als Ho Chi Minh City, sogar richtig angenehm. Zwar noch T-Shirt Wetter, aber viel weniger feucht - nix klebt mehr am Leib. Da die Zeit knapp wird mit selber suchen und buchen, habe ich mich fuer 2.55 Mio VND (160 Dollar) beim Backpacker Hostel Hanoi in zwei Touren versklavt: zuerst zwei Tage nach Halong Bay, ein Unesco Naturwunder im Osten von Hanoi, dann zwei Tage nach Sapa in die Berge - hoffentlich mit etwas Hiking. Dies seien die beiden 'must see' in Vietnam, liess ich mir sagen.
Um 15:00 am naechsten Dienstag bringt mich Vietnam Airlines zurueck nach Ho Chi Minh City ... und Qatar Airlines zurueck in die Schweiz. 10 Tage sind schon extrem kurz, aber man muss nehmen, was man kriegt. Tja.
In Nha Trang, einer ca. 300000-Einwohnerstadt an der Kueste, ist Club Med etc. noch nicht angekommen. Zum Glueck. Doch dem koennte bald so sein. Bereits heute gibt es ueber hundert Hotels. Dann ists wohl auch vorbei mit einem Zimmer fuer 4 Dollar die Nacht.
Im vorigen Eintrag notierte ich, dass sich das eigentlich kommunistische Vietnam sich nicht anders gebaerde als jedes andere Schwellenland. Ich glaube, das stimmt nicht ganz. Auffallend ist, dass es kaum Bettler auf der Strasse hat, und Klassenunterschiede wie beispielsweise in Argentinen sind entweder nicht vorhanden oder nicht so sichtbar. Dort erlebte ich seinerzeit den Club mit dem teuersten Eintritt meines ganzen Lebens (weiss nicht mehr wieviel, es muessen um die 150 Stutz gewesen sein - 1994), und bitterste Armut in den Slums, wo uns der Sozialarbeiter, den wir begleiteten, erklaerte, dass jener 11jaehrige Junge vor wenigen Tagen einen Busfahrer mit einem Messer attakiert habe. Und das alles binnen 24 Stunden.
Dieses Erlebnis hat mich so nachhaltig gepraegt, dass ich politisch da stehe, wo ich eben bin: Links.
Vielleicht hat der Kommunismus doch sein Gutes? Bittere Armut scheint es in Vietnam nicht zu geben - es scheinen alle aehnlich arm zu sein. Jedenfalls ist sie mir noch nicht begegnet.
Bin in Ho Chi Minh City, dem [ehemaligen | immer noch | bald wieder ] Saigon. Der Kommunismus nicht mehr zu bemerken, Vietnam gebaerdet sich aus Touristensicht wie jedes andere Schwellenland auch. Das Leben ist aus mitteleuropaeischer Sicht geradezu phaenomenal billig - Nudelsuppe samt Bier bespielsweise kostet gerade mal 5 Franken, oder noch weniger. Irgendwie habe ich den Wechselkurs und die vielen Nullen noch nicht so im Griff, kann aber doch behaupten, einmal im Leben Millionaer gewesen zu sein.
Im Nudelsuppen-Lokal Pho 2000 hat uebrigens auch ex-Praesident Bill Clinton gegessen, und das ist fuer den Besitzer natuerlich Verkaufsargument. Als ich allerdings das selbe wie der Praesident haben wollte, hat man mich bloss verstaendnislos angeguckt ... naja.
Gefaehrlich in Ho Chi Minh ist eigentlich bloss der Strassenverkehr. Die Roller, Toeffli und Vespas sind allgegenwaertig, es hat sogar mehr als Autos. Beim Ueberqueren der Strasse geht man uebrigens moeglichst langsam (kein Witz!) - dann besteht die kleinste Gefahr, ueberfahren zu werden. Es gilt das Gesetz des Staerkeren.
Die Leserschaft wird es bemerken: die Tastatur des Internet Kafis hat keine ae oe ue ... tja. Es gibt schlimmeres. Jetzt dann bald schon in die Klappe - hier gibts keine Sommerzeit und um 18:30 ists schon dunkel - frueher aufstehen ist also angesagt.